• Helge Zimmer

5 Tipps, die eigene Stellenanzeige jetzt für den Arbeitsmarkt der Post-Epidemie fitzumachen



Schlechte Nachricht: Eine Kündigungswelle rollt auf uns zu

Die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hatten während COVID-19 viel Zeit. Viel Zeit mal in Ruhe über ihre Arbeit und ihren Arbeitgeber nachzudenken - und gleichzeitig dessen Flexibilität zum Thema Arbeitsorganisation besser kennenzulernen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in der kürzlich erschienen Studie von Personio und Opinion "Die Folge der Pandemie für Unternehmen" satte 45% der Befragten überlegen, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten den Job zu wechseln.


Der Post-Pandemie-Arbeitsmarkt: Eine Chance für das Recruiting?

Auch wenn in Realität vielleicht weniger unzufriedene Arbeitnehmer:innen kündigen werden, stellt die eintreffende Kündigungswelle gleichzeitig auch eine großartige Chance dar. Es finden sich mehr Suchende als je zuvor. Eine Chance für Personalmarketing und Recruiting also, mit den richtigen Argumenten zu überzeugen. Das gilt besonders für die Personalgewinnung von "umkämpftem" Personal wie IT-Fachkräften, Pflegepersonal oder technischen Berufen. Aber bei der Fachkräfterekrutierung verhält es sich dabei meist wie beim Tinder-Date: Der erste Eindruck zählt.


Jetzt die Stellenanzeige für die Zeit nach der Pandemie vorbereiten

Ein gutes Employer Branding ist essentiell. Aber während die Konkurrenz vielleicht noch über der akademischen Überarbeitung der Recruiting-Strategie hängt, kommen hier fünf pragmatische Tipps, die eigene Stellenausschreibung fit für die Zeit post-COVID-19 zu machen:


1. Flexible Arbeitszeitmodelle herausstellen


In der Pandemie waren wir alle viel zuhause. Das gefiel mal besser mal schlechter. Fakt ist: Jede/r Zweite wünscht sich gemäß Studie der Hans-Böckler-Stiftung/WSI nach der Pandemie eine Mischform aus mobilem und standortgebundenem Office. Wenn die Stelle dies zulässt, sollte das klar auch in der Stellenanzeige angegeben werden. Am besten mit einer realistischen Ratio.


2. Hilfestellung beim Warum geben


Ein typisches Phänomen unserer Zeit ist die Frage nach dem Sinn. Diese wird durch das Erleben der Krise noch verstärkt. Die Frage nach dem Warum der eigenen Arbeit und nach dem möglichen Grund für einen Wechsel wird entsprechend wichtiger. Man will verstehen, warum man sich bewerben soll. Auszeichnungen und Arbeitgeber-Awards ermöglichen hier eine schnelle Orientierung und sollten auch in der Stellenanzeige mitgenommen werden. Noch besser: Idealerweise schlägt sich die Mission und Vision des eigenen Unternehmens auch in seinen Stellenanzeigen nieder.


3. Schluss mit der Diskriminierung


Nach der Antidiskriminierungsstelle des Bundes waren schon in 2018 ganze 97,8% der deutschen Stellenanzeigen komplett diskriminierungsfrei. Schade jedoch, dass hier nur die direkte Diskriminierung ausgewertet wird. Auf Indeed finden sich beispielweise per heute ganze 1.110 Stellenanzeigen, die Deutsch als Muttersprache fordern. Dabei würden Menschen, die hier über 30 Jahre und mehr leben und Deutsch Sprachniveau C2 haben (as good as...), sich wohl niemals als Muttersprachler:in bezeichnen. Apropos Diskriminierung: Auch das Titelbild sollte kritisch betrachtet werden. Denn wie ansprechend ist die lachende schlanke blonde junge Frau wirklich, wenn man nicht der Bevölkerungsgruppe der lachenden schlanken blonden jungen Frauen angehört?


4. Show me the Money


Laut Studie zur Arbeitgeberattraktivität von Stepstone aus dem Jahr 2020 geben beeindruckende 96% der Befragten an, dass ihnen ein gutes Gehalt wichtig ist. Auch der Erfolg einer Stellenanzeige steigt mit der Gehaltsangabe. Laut softgarden erhalten Stellenanzeigen mit Gehaltsrange dreimal soviele Bewerbungen wie ohne. Für die HR-Arbeit hat die Angabe einer Range Vorteile: Das Unternehmen zeigt sich transparent und ermöglicht Kandidat:innen von Anfang an in Klarheit und auf Augenhöhe zu verhandeln.


5. Weniger Anforderungen angeben - aber dafür mit Kontext


Kandidat:innen sind oft unsicher, ob sie wirklich für die ausgeschriebene Stelle geeignet sind. Inhaltlich sollten Jobanforderungen daher Orientierung geben. Dies funktioniert am besten durch Kontext. Ein Beispiel: Während "Verhandlungssicheres Englisch" zu möglichen Fehleinschätzungen führt (und damit auch zu mehr Arbeit in der HR-Abteilung), ermöglicht "Verhandlungssicheres Englisch, um mit unseren europäischen Lieferanten inhaltlich über Verträge zu verhandeln" eine klarere Einschätzung und addiert gleichzeitig Inhalt der Stelle. Allgemein gilt: Je mehr Anforderungen sich finden, desto geringer ist die Chance auf eine Bewerbung.


Weitere Informationen gibt es zum Thema Stellenanzeigen auch in unserem kostenlosen Whitepaper zum Download.

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