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Auf dem blauen Sofa: Dr. Julia Freudenberg über ihre Arbeit bei der Hacker School



Anke und Celine sprachen mit Dr. Julia Freudenberg, der Geschäftsführerin des Social Start-Ups Hacker School, auf dem blauen Sofa über die Zukunft der IT und darüber, wie wichtig es für Kinder ist, Programmieren zu lernen und wie Unternehmen und ITler:innen daran teilhaben und auch davon profitieren können.

 

Eines müssen wir direkt vorwegnehmen: Julia ist eine absolute Energiefrau, die sich mit voller Power für das Thema einsetzt. Anke und Helge kennen Julia schon seit 2006 aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Unilever und sind immer wieder aufs Neue von ihrer Energie und ihrem Engagement für die Mission der Hacker School beeindruckt. Sie schauen auf eine spannende gemeinsame Zusammenarbeit für die Hacker School zurück, unter anderem bei der Teilnahme an Wettbewerben und beim Bewerben um Fördergelder. Als Brandforce unterstützen wir die Hacker School und ihre Mission nun schon im vierten Jahr finanziell.

 

Die Hacker School hat eine klare Vision: „Für eine digitale Welt, die alle aktiv mitgestalten können". Aus diesem Grund macht die Hacker School jungen Menschen die Welt der IT mit Spaß und Kreativität zugänglich. Dafür bietet die Hacker School Wochenend- und Schulkurse für Kinder ab der 5. Klasse zum Programmieren. Aktuell kooperiert      sie dafür mit ca. 200 Schulen.

2023 hat die Hacker School über 18.000 Kinder erreicht. Ihr Ziel ist es, im Jahr 2030 1 Million Kinder jährlich zu erreichen. Unterstützt wird sie bei dieser Mission von ca. 2.500 ehrenamtlichen ITler:innen.

 

BF: Wie bist du zur Hacker School gekommen?

Julia: In meiner zweiten Elternzeit habe ich meine Dissertation über die berufliche Integration von Geflüchteten geschrieben. Über die ehrenamtliche Arbeit mit Geflüchteten habe ich Andreas Ollmann kennengelernt. Er ist einer der Gründer der Hacker School. Dabei habe ich ziemlich schnell festgestellt: Meine berufliche Erfahrung und mein Interesse, mich gesellschaftlich zu engagieren griffen hier optimal ineinander. Und dazu hatte ich noch Zuhause zum einen zwei Kinder und zum anderen den coolsten ITler als Ehemann.    

Mir war sofort klar, dass das, was die eine Seite braucht und das, was die andere Seite anbietet, perfekt ineinandergreift. Als ich gefragt wurde, ob ich das übernehmen möchte, war ich dementsprechend direkt dabei. Seit 2017 bin ich jetzt CEO der Hacker School.

 

ITler:innen werden ja eigentlich nie erwachsen, sie spielen dann einfach nur anders. Und viele lernen ihre Begeisterung für IT nur zufällig kennen. Mir geht es darum, Kinder darin zu unterstützen, diese Begeisterung frühzeitig zu erleben. Und unsere Erfahrung zeigt bis heute: ITler:innen haben wahnsinnig viel Spaß daran, diese Begeisterung für ihr Fach weiterzugeben.


BF: Was ist dir persönlich wichtig bei deiner Arbeit mit der Hacker School?

Julia: Ich liebe es, Menschen Zukunft zu zeigen.

Wir sind in einer Welt, die sich zunehmend digitalisiert, und diese Entwicklung wird auch nicht wieder zurück gehen. Ich möchte Menschen bei ihrer Zukunftsentwicklung unterstützen, ihnen einen kleinen Schubs raus aus der Komfortzone geben.

Mein Ansatz ist: Don't give them fish, but show them how to get the fish out.

 

Es macht viel Spaß und motiviert jedes Mal, die leuchtenden Kinderaugen zu sehen, wenn sie etwas Neues gelernt und verstanden haben. Außerdem ist es schön zu sehen, wenn die ITler:innen die Sinnhaftigkeit ihres Tuns bei uns spüren.

 

BF: Ab welcher Klasse fangt ihr an, mit den Kindern zu arbeiten, und wie genau begeistert ihr Schüler:innen für die IT und das Programmieren?

Julia: Wir machen Kurse mit Kindern ab der weiterführenden Schule.

Dabei lernen wir natürlich auch selbst noch jeden Tag dazu. Unter anderem haben wir Microbits gekauft und einen Roboterhund. Dadurch können die Kinder direkt sehen, was sie tun – sie bringen zum Beispiel den Hund zum Bellen.

Selbstwirksamkeit - das ist eigentlich der Kern. Wir merken in der Arbeit, dass die Unsicherheiten bei den Kindern sehr, sehr groß sind, und die wollen wir ihnen nehmen.

 

BF: Wenn wir uns die aktuellen Entwicklungen rund um KI anschauen, wird die Fähigkeit zu Programmieren dann in Zukunft noch gebraucht?

Julia: Wir werden immer Menschen brauchen, die verstehen, was da passiert. Und bei uns geht es ja darum, erste Schritte in diese Richtung zu machen. Den Kindern Mut zu geben und zu zeigen, dass sie das können. Es geht um Offenheit und Begeisterung und Neugierde. Es geht darum, Kinder zu ermutigen, Dinge zu hinterfragen.

 

Die Fähigkeiten der Zukunft sind laut der OECD Kreativität, Kommunikation, Kollaboration und kritisches Denken. Und wir als Hacker School möchten da gerne noch “Fehler-Mindset” ergänzen. Programmieren ist ja auch viel Bug Fixing – Fehler machen und sie beheben ist hier sehr erwünscht!

 

Wir wissen, dass 65 % der heutigen Grundschulkinder in Jobs arbeiten werden, die wir heute noch nicht kennen.

Also müssen wir Kinder ermutigen, selbst zu denken, Dinge neu zu kombinieren. Wir müssen ihnen zeigen, dass sie etwas Neues schaffen können.

 

Selbstwirksamkeit ist – nach meiner Einschätzung – der Schlüssel zu einem gelingenden Leben und zu einer befriedigenden beruflichen Erfahrung.

 

Kinder machen in unseren Kursen beim Programmieren schon früh die Erfahrung der Selbstwirksamkeit. Sie merken, dass sie es in der Hand haben, dass sie etwas erschaffen, sie lernen ihre Wirkung kennen, und damit legen wir einen wichtigen Grundstein für ihre (berufliche) Zukunft.

 

BF: Wie profitieren Unternehmen von Eurer Arbeit?

Julia: Unternehmen profitieren auf vielfache Weise. Zum einen müssen sie im Hinblick auf die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) grundsätzlich etwas tun. Diese Richtlinie zielt darauf ab, Veränderungen im Geschäftsverhalten bei Nachhaltigkeitsthemen und Menschenrechten anzustoßen. Darüber hinaus wissen wir in Zeiten des aktuellen Arbeitsmarkts und des Fachkräftemangels, dass Unternehmen ihren Mitarbeitenden etwas bieten müssen. Um auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu sein, muss man mehr tun, als nur wirtschaftlich erfolgreich zu sein, man muss den Mitarbeitenden einen wirklichen Purpose geben. Code per se hat keinen Purpose. Das sind Zeichen und Arbeitsanweisungen für Maschinen. Aber der Wunsch, etwas zu verändern und auch anderen den Weg leichter zu machen, ist sehr groß.

Unternehmen, die mit uns kooperieren, bieten ihren ITler:innen die Möglichkeit für skillbased corporate volunteering.

Das heißt, ITler:innen können sich dann mit ihren Skills für eine bessere Welt einsetzen, indem sie Kindern die schon angesprochene Erfahrung der Selbstwirksamkeit ermöglichen - und das in der Arbeitszeit. Das sollte Standard sein, wird aber noch nicht weitläufig genug gelebt. Und genau da setzen wir an, das pushen wir nach vorne. Das ist der Mehrwert, den wir für Unternehmen bieten können. Es tut den Mitarbeitenden gut, und am Ende hat es natürlich noch positive Auswirkungen auf das Arbeitgeber-Image.

Und auch wichtig zu bedenken ist: Wir haben einen Fachkräftemangel – insbesondere im IT-Bereich. Und hier sehen wir doch eines ganz klar: Wir fischen alle in einem Teich. Wir müssen diesen Teich größer machen. Ansonsten ist es ein reiner Verdrängungswettbewerb. So profitieren wir alle davon, mehr Kinder für die IT zu begeistern.

 

BF: Und wie kann man sich das vorstellen? Wie werden die Kurse organisiert und wie laufen sie ab?

 

Julia: Zum einen gibt es Wochenendkurse, bei denen ITler:innen in ihrer Freizeit mit den Kindern arbeiten können.

Und es gibt Schulkurse. Wir bereiten die Schulen vor, damit die technischen Voraussetzungen erfüllt sind und die Lehrkräfte wissen, was wann passiert.

 

Die ITler:innen wiederum werden von uns im Umgang mit den Kindern geschult, denn Kinder können sich z.B. nicht ständig konzentrieren oder gehen anders mit Unmut und Frust um. Und auch hier haben wir wieder die Benefits für die Unternehmensseite: Was ITler:innen in diesen Kursen lernen, brauchen wir für jede Meetingkultur.

 

In den Kursen sind auch sog.Team-Inspirer, das sind Student:innen der IT, als Unterstützung dabei. Sie teilen z.B. die Gruppen ein (je sechs Kinder auf eine ITler:in) oder sind ansprechbar, wenn es Herausforderungen gibt.

 

In den Kursen programmieren die Kinder drei Stunden lang mit den ITler:innen. Die Kinder arbeiten dabei paarweise zusammen, können sich austauschen, gegenseitig motivieren und herausfordern. Am Ende werden alle Beteiligten für ca. 30 Minuten zu einer kleinen Feedback-Umfrage zusammengeholt und wir informieren über die „Wege in die IT.”  Dabei stellen die ITler:innen ihre Berufe vor und erklären, was sie genau machen. Sie haben die Möglichkeit, etwas aus ihrem Unternehmen zu teilen, können zeigen, was den Beruf in ihrem Unternehmen einzigartig macht, wie die Kultur im Unternehmen ist und was sie daran begeistert, dort zu arbeiten.

 

Wir bekommen viele positive Rückmeldungen von den Unternehmen und hören, dass das wirklich wahnsinnig gut ankommt und die ITler:innen 10 cm über dem Boden schweben, wenn sie von einem solchen Kurs zurückkommen.

Was man nämlich auch nicht unterschätzen darf: ITler:innen erfahren leider häufig nicht wirklich viel Wertschätzung in den Unternehmen. Umso schöner ist es, zu sehen, wie begeistert sie in den Kursen sind, wenn sie ihre Begeisterung für die IT weitergeben können und in strahlende Kinderaugen schauen, wenn die Kinder mit ihnen gemeinsam etwas Neues lernen.

 

Wenn du am Arbeitsmarkt, so wie er jetzt ist, etwas verändern könntest – was wäre das?

Ich würde alle Hebel in Bewegung setzen, um Menschen Mut zu machen, sie selbst zu sein. Und wirklich dahin zu schauen, was sie selbst verändern können, anstatt die Energie darauf zu verwenden, herauszufinden, wer Schuld hat. Es braucht ein Umfeld, in dem man Selbstwirksamkeit erleben kann und das Fehler aushält.

 

Vielen Dank, liebe Julia, für diese tiefen Einblicke in die Arbeit der Hacker School. Wir wünschen euch weiterhin Erfolg bei der spannenden Aufgabe und dem Erreichen eurer Ziele.

 

Ihr möchtet die Hacker School finanziell unterstützen? Das könnt ihr hier tun: Spenden an die Hacker School

 

Wenn ihr als Unternehmen oder begeisterte ITler:in mit der Hacker School kooperieren möchtet, findet ihr hier alle Infos

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